Belastungsuntersuchungen

Belastungsuntersuchungen des Herzens dienen der Aufdeckung von etwaigen Blutminderversorgungen des Herzmuskels durch die Herzkranzgefäße. Es stehen zwei Möglichkeiten zur Belastungsuntersuchung des Herzens zur Verfügung. Beiden gemeinsam ist die Gabe eines Medikamentes (Adenosin oder Dobutamin) über eine periphere Vene. Für diese Untersuchungen werden Ihnen prinzipiell zwei venöse Zugänge angelegt. Beide Untersuchungsarten werden im Folgenden beschrieben.

Bitte vergessen Sie nie, dass man Ihnen erst zu der Untersuchung rät, wenn man Sorge um Sie hat, dass Sie durch eine Herzkrankheit gefährdet sind. Dann gehen Arzt und wir davon aus, dass diese Untersuchungen viel ungefährlicher sind, als Ihre mögliche Erkrankung.

Diese Belastungsuntersuchungen werden bei uns täglich (mindestens 6-8mal) durchgeführt und folgen einem weltweit etablierten Belastungsprotokoll.

Adenosin-Belastung

Eine Belastungsuntersuchung mit dem Medikament Adenosin kann durchgeführt werden, um die Blutversorgung des Herzmuskels (sog. Perfusion) durch die Herzkranzgefäße zu überprüfen. Im Vorfeld der Untersuchung ist es wichtig, dass Sie 24 Stunden zuvor keine koffeinhaltigen Getränke oder Speisen zu sich nehmen (Kaffee und Kaffeeprodukte, Tee), auch Schokolade bitten wir Sie in diesem Zeitraum nicht mehr zu sich zu nehmen, da sonst die Untersuchungsergebnisse verfälscht werden. Ihre Medikamente (inklusive Betablocker) können Sie vor der Untersuchung wie gewohnt einnehmen. Die Untersuchung dauert ca. 45 Minuten, die Vorbereitungen unmittelbar vor der Untersuchung entsprechen denen wie vor einer normalen MRT-Untersuchung des Herzens bis auf die Anlage eines zweiten venösen Zugangs, über den das Adenosin verabreicht wird. Über den anderen venösen Zugang wird das Kontrastmittel gegeben.

Eine Adenosin-Untersuchung sollte nicht durchgeführt werden bei Patienten mit bekannten Atemwegserkrankungen mit obstruktiver Komponente (schwerer chronischer obstruktiver Bronchitis, Asthma bronchiale), da hierbei sonst eine Verschlechterung auftreten kann.  Sollten Sie an einer solchen Erkrankung leider, informieren Sie den aufklärenden Arzt hierüber bitte unbedingt. Das Medikament Adenosin bewirkt eine Erweiterung gesunder Gefäße. Liegen Engstellen im Bereich der Herzkranzgefäße vor, wird dem durch ein solches Gefäß versorgten Herzmuskelgebiet ein geringerer Anteil an Sauerstoff zur Verfügung gestellt (sog. “steal”-Phänomen). Dies bewirkt neben magnetresonanztomografisch sichtbaren Veränderungen in den entsprechenden Bildsequenzen ggf. auch ein Druckgefühl im Bereich der Brust oder des Kopfes, eine erschwerte Atmung bis hin zu Luftnot oder ein Hitzegefühl. Diese Beschwerden sind typischerweise sofort nach Beendigung der Gabe (also nach ca 2-3 Minuten) weg.

Weiterhin können während der Untersuchung Herzrhythmusstörungen (sog. AV-Blockbilder) auftreten. Während der Adenosingabe wird Ihr EKG jedoch durchgehend vom auswertenden Arzt überwacht, um evtl. auftretenden Problemen begegnen zu können.

Ebenso werden wir Sie während Ihnen das Medikament verabreicht wird befragen, ob Sie Veränderungen Ihres Befindens verspüren. Während bei anderen MRT-Untersuchungen des Herzens ein Anhalten des Atems für ca. zehn bis 15 Sekunden ausreichend ist, werden während einer Adenosin-Untersuchung zweimal Atemanhaltephasen von ca. 30 Sekunden notwendig (während der sog. Perfusionsuntersuchungen, dem Kernstück der gesamten Untersuchung). Sollte es Ihnen nicht gelingen, über den entsprechenden Zeitraum die Luft anzuhalten, atmen Sie bitte selbständig ein und aus und halten den Atem dann wieder in der vorherigen Atemlage an, um eine ausreichende Bildqualität für eine sichere diagnostische Beurteilbarkeit zu gewährleisten.

Dobutamin-Belastung

Eine Belastungsuntersuchung mit dem Medikament Dobutamin kann durchgeführt werden, um die Blutversorgung des Herzmuskels durch die Herzkranzgefäße zu überprüfen. Im Gegensatz zur Belastung mit Adenosin wird Ihr Herz durch Dobutamin zu einer erhöhten Pumpleistung durch eine Erhöhung Ihrer Herzfrequenz angeregt (Ihr Herz schlägt schneller). Bei dieser Belastungsuntersuchung ist es unumgänglich, dass ein Arzt mit Ihnen mindestens 24 h vor der Untersuchung den Aufklärungsbogen ausfüllt und bespricht.

Im Vorfeld ist es wichtig, dass Sie innerhalb von 48 Stunden vor der Untersuchung Ihre Betablockermedikation pausieren, da sonst nicht die volle Aussagekraft der Untersuchung zu erwarten ist. Außerdem sollten Sie in einem Zeitraum von drei Stunden vor der Untersuchung keine schwere Nahrung mehr zu sich nehmen und nicht übermäßig viel  trinken.Die Gabe des Medikaments erfolgt während der Untersuchung über einen venösen Zugang als Dauerinfusion über mehrere Stufen mit steigender Medikamentendosis. Sollte es durch das Dobutamin nicht zu einem ausreichenden Anstieg der Herzfrequenz kommen, ist die zusätzliche Gabe eines weiteren Medikaments, nämlich Atropin, möglich.

Eine Dobutamin-Belastung sollte nicht bei Patienten durchgeführt werden, die innerhalb der letzten Tage einen akuten Herzinfarkt erlitten haben, bei denen eine hochgradige Verengung des Ausflusstraktes des linken Herzens (z. B. hochgradige Aortenklappenstenose, hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie) oder des Einstroms in das linke Herz (z. B. hochgradige Mitralklappenstenose) bekannt ist. Atropin sollte nicht bei Patienten angewendet werden, bei denen eine Erhöhung des Augeninnendrucks bekannt ist (Glaukom = grüner Star), die unter schwerwiegenden Muskelerkrankungen leiden (Myasthenia gravis) oder bei denen eine Überempfindlichkeit gegenüber anticholinerg wirkenden Substanzen bekannt ist.

Im Vorfeld der Untersuchung werden Ihnen – wie auch bei der Adenosin-Belastung – zwei venöse Zugänge angelegt, einer für das Medikament, der andere aus Sicherheitsgründen. Auch wenn es sich bei der Belastung des Herzens mit Dobutamin um ein bereits lange erprobtes Verfahren handelt, ist diese Untersuchung dennoch potentiell gefährlich, da eine Vielzahl von Beschwerden auftreten können. Während der Gabe des Medikaments werden Sie einen verstärkten und schnelleren Herzschlag verspüren, der mit steigender Dosis des Medikaments weiter zunehmen wird. Es ist möglich, dass Sie während der Untersuchung einen Druck in der Brust (Angina pectoris) verspüren. Sollte dies der Fall sein, teilen Sie es uns bitte umgehend mit. Weiterhin können sich – u. U. sogar lebensbedrohliche – Herzrhythmusstörungen ergeben, für diesen unwahrscheinlichen Fall halten wir alle notwendigen Geräte und Medikamente bereit, um einem solchen Problem sofort begegnen zu können. Da die medikamentöse Belastung des Herzens dem Hervorrufen einer Minderdurchblutung des Herzmuskels dient, ist es in sehr seltenen Fällen auch möglich, dass während der Untersuchung ein Herzinfarkt auftritt. Auch ein Abfall des Blutdrucks kann auftreten, den Sie evtl. als Schwindelgefühl verspüren können.

Sie stehen während der gesamten Untersuchung unter Aufsicht von zwei erfahrenen Kardiologen, die Sie, Ihr EKG und die Beweglichkeit Ihres Herzens pausenlos überwachen. Die Untersuchung dauert insgesamt ca. 45 – 60 Minuten. Im Anschluss an die Untersuchung müssen sie noch 1-2 h in unserer Klinik zur Blutdrucküberwachung verbleiben.